Carcassonne Jubiläum – Fünf Fragen an Klaus-Jürgen Wrede

16/04/2021

Hinter dem Familienspiel-Klassiker Carcassonne steckt der Autor Klaus-Jürgen Wrede. Der Einfall zum mittelalterlichen Legespiel kam dem Lehrer 1999 bei einer Reise durch Südfrankreich, genauer beim Anblick der Cité von Carcassonne, einer auf einem Hügel der Altstadt von Carcassonne gelegenen Festungsstadt. Eigentlich hatte Wrede dort für seinen ersten Roman recherchieren wollen, doch statt mit einem fertigen Manuskript kehrte er mit der Idee für sein erstes Spiel zurück. 2001 wurde Carcassonne zum Spiel des Jahres gekürt und entwickelte sich zu einem weltweiten Erfolg. Zum 20-jährigen Jubiläum hat der Hans im Glück Verlag dem Autor fünf Fragen gestellt.


Was war die liebste und was die böseste Fan-Mitteilung, die du bekommen hast?

Eine böse Fan-Mitteilung hatte ich eigentlich nie. Es kann dennoch schon mal sein, dass jemandem eine Erweiterung nicht gefällt, aber das ist ja normal. Es soll ja auch für jeden Geschmack was dabei sein.

Aber einige sehr schöne und bewegende Begegnungen oder Mitteilungen hatte ich schon. So etwa, einen langen handgeschriebenen Brief eines älteren Ehepaars, das mir unglaublich dankbar war, da ich ihre Ehe gerettet hätte. Sie hatten sich auseinandergelebt und waren kurz vor der Trennung, als sie zufällig das Spiel Carcassonne gekauft haben. Und ab da jeden Tag zu zweit zusammengespielt haben. Das habe sie wieder nähergebracht und ihre Beziehung gerettet, die dann wieder richtig schön und erfüllt wurde. Das hat mich sehr berührt und glücklich gemacht.



Welche Art von Spielen spielst du am liebsten und wieso?

Das ist ganz verschieden und ändert sich auch manchmal phasenweise. Kinderspiele und Abstraktes mag ich weniger, auch Spiele mit Geld nicht so gern (Versteigerungsspiele etc.). Insgesamt mag ich Spiele mit Entdecken schon sehr gern. Auch sollten sie eine gesunde Mischung aus Strategie und Glück haben. Zudem spiele ich auch gern was Komplexeres, wenn die Zeit es erlaubt. Das finde ich schon am reizvollsten. Nur reine Optimierungsspiele mag ich in dem Bereich nicht so gern und finde sie zuweilen anstrengend. Aber auch zwischendurch mal ein Partyspiel oder was mit Action. Früher habe ich z. B. auch gern Carrom gespielt.



Wenn du ein Schauspieler wärst, in welcher Art von Film würdest du gerne mitspielen und in welcher Rolle?

Ui. Das ist eine ungewöhnliche Frage ... Gar nicht so einfach. Vielleicht lieber etwas mit Action. Trotzdem mag ich etwas Hintergründiges dabei. Ich habe ja mal Anfang 20 ein wenig Schauspiel hobbymäßig ausprobiert in Köln. Damals sollte ich einen etwas coolen Bösewicht spielen – hat aber Spaß gemacht.






Wie sieht dein Schreibtisch aus, wenn du ein Spiel entwickelst?

Um ganz ehrlich zu sein: Ich habe zwei bis drei Tische, an denen ich arbeite. Man braucht immer viel Platz zum Basteln, zum Testen, zum Material auslegen etc. und ich arbeite ja auch meist an mehreren spielen gleichzeitig. Trotzdem bin ich am liebsten draußen und arbeite dort (solange das Wetter mitspielt) oder wenn’s kalt ist, drinnen am Kamin. Daher räume ich dann die Sachen wieder zusammen. In der Regel sieht es daher gar nicht so chaotisch aus auf meinen Tischen.




Was ist das Magische an Carcassonne, was dich verzaubert hat? Oder meinst du, wenn das Spiel um „Castrop-Rauxel“ gebaut worden wäre, wäre es genauso erfolgreich geworden? Fängt schließlich auch mit Ca an …

Da hat mich die Stadt und die gesamte Gegend einfach verzaubert. So ist ja auch das Spiel entstanden. Ich wollte die Gegend um Carcassonne "nachbauen" im Spiel. Es ist schon wirklich fast märchenhaft – Carcassonne selbst und auch die Gegend mit den abgelegenen Burgen und befestigten Dörfern. Und ich bin sehr froh, dass Bernd (Bernd Brunnhofer, Verlagsgründer von Hans im Glück, Anm. d. Redaktion) damals den Namen „Carcassonne“ beibehalten hat – obwohl ihn da noch niemand richtig aussprechen konnte. Meist bin ich durch Orte inspiriert, und in diesem Fall ganz besonders. Daher hieß das Spiel nicht „Castrop-Rauxel“. Zu dieser Stadt hatte ich bisher noch keine Inspiration. Aber das kann ja vielleicht noch kommen.